Gerade in der aktuellen Krise haben wir wieder sehr viel Zeit. Zeit, wieder schöne Spaziergänge zu machen und achtsam die Düfte, Klänge und Farben der Natur zu genießen. Zeit, mal innezuhalten, und aus unserem „Hamsterrad“ auszubrechen. Zeit, wieder auf sich zu schauen, und sich was Gutes gönnen. Zeit, für Entspannung, Kunst, Musik, Freunde, Familie u.v.m.

 

Dazu eine kleine Geschichte:

 

Der italienische Conte


In Italien kursiert die Geschichte von einem Grafen, der sehr alt wurde, weil er ein Lebensgenießer par excellence war. Niemals verließ er das Haus, ohne sich zuvor eine Handvoll Bohnen einzustecken. Er tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen. Er nahm sie mit, um so die schönen Momente des Tages bewusster wahrnehmen und um sie besser zählen zu können.

 

Für jede positive Kleinigkeit, die er tagsüber erlebte – zum Beispiel eine nette Konversation auf der Straße, das Lächeln seiner Frau und Lachen seiner Kinder, ein köstliches Mahl, eine feine Zigarre, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, ein Glas guten Weines – kurz: für alles, was die Sinne erfreute, ließ er eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manche Begebenheit war ihm gleich zwei oder drei Bohnen wert.

 

Abends saß er dann zu Hause und zählte die Bohnen aus der linken Tasche. Er zelebrierte diese Minuten. So führte er sich vor Augen, wie viel Schönes ihm an diesem Tag widerfahren war und freute sich des Lebens. Und sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, war der Tag gelungen, hatte es sich zu leben gelohnt.

 


(aus: Horst Conen, Optimisten brauchen keinen Regenschirm, Ariston Verlag, Kreuzlingen 1996)

 

 

Einfach mal ausprobieren und bewusster die schönen Momente des Tages erleben.